Workshop: Risikokompetenz in der Krise
Leitung: Holger Schumacher, ständiges Mitglied des Stuntteams von Alarm für Cobra 11
In dieser Session steht der Mensch im Zentrum – genauer gesagt: sein Verhalten unter extremem Stress. Mit einem besonderen Blick auf Erkenntnisse aus dem Actionsport und dem Stuntbereich zeigt Holger Schumacher auf, wie Entscheidungen unter Unsicherheit entstehen und wie mentale und teambezogene Faktoren die Krisenfähigkeit beeinflussen.
Inhalte u. a.:
- Was ist Risikokompetenz – und warum ist sie in Krisenstäben überlebenswichtig?
- System 1 und System 2 (nach Kahneman): Schnelle vs. überlegte Entscheidungen
- Typische Denkfehler in Krisen und wie man sie erkennt (Heuristiken & Biases)
- Emotionale Selbstkontrolle und mentale Klarheit unter Druck
- Flow vs. Kontrollverlust – wie Führung auch im Chaos funktioniert
- Kommunikation und Rollenverhalten in Hochleistungsteams
- Praktische Tools für Krisenstäbe: mentale Shortcuts, Prognosefeedback, Debriefingstrukturen
Die Teilnehmenden reflektieren ihre eigenen Entscheidungsmechanismen und entwickeln individuelle Strategien, um unter Unsicherheit handlungsfähig zu bleiben.
Workshop: Hybride Bedrohungen & Desinformation
Leitung: Dominik Heytens, Kölner Forum für Internationale Beziehungen und Sicherheitspolitik e. V. & Prof. Dr. rer. pol. Henning G. Goersch, Professor für Gefahrenabwehr und Bevölkerungsschutz, FOM-Hochschule
Workshop: Krisenmanagement strukturiert denken & aufbauen
Leitung: Tim Eikelberg, Leiter Bevölkerungsschutz, Stadt Tönisvorst
Diese Session bietet praxisnahes Wissen zur organisatorischen Seite von Krisenbewältigung: Wie kann man in knapper Zeit mit begrenztem Personal einen funktionierenden Krisenstab aufbauen? Welche Mindestbesetzungen sind realistisch – und was ist juristisch zu beachten?
Inhalte u. a.:
- Grundlagen der Stabsarbeit: Zuständigkeiten, Aufgaben, Begriffsdefinitionen
- Einrichtung einer Führungszelle als „Rumpfstab“
- Besetzungsmodelle: Was ist das Minimum für Handlungsfähigkeit?
- Besprechungs- und Arbeitsphasen im Stabsalltag
- Lagebilder, Dokumentation & Visualisierung – effektiv und gerichtsfest
- Tools und Methoden für effektive Stabsprozesse
Ziel ist ein realistisches Verständnis von Stabsarbeit – angepasst an die tatsächlichen Ressourcenlagen vieler Organisationen.
Übung „Big Crisis“
BIG CRISIS: Die interaktive Krisenstabsübung
Die Übung „BIG Crisis“ ist das Herzstück des zweiten Kongresstages: ein interaktives, multisensorisches Szenario, das die Teilnehmenden in Echtzeit mit einer komplexen Lage konfrontiert – und zum Handeln zwingt. Ziel ist es, das am Vortag Gelernte unter Stressbedingungen anzuwenden und im Team zu bestehen.
Einstieg, Briefing & Gruppeneinteilung
Das Szenario: Spontaner Amoklauf in kommunaler Einrichtung
Ein Amoklauf wird plötzlich gemeldet. Die Informationen sind bruchstückhaft, emotional aufgeladen, zum Teil widersprüchlich. Die Teilnehmen sind der zuständige Krisenstab werden in klassischen S-Funktionen (Gruppen à max. 8 Personen) eingeteilt (Lage, Personal, Versorgung etc.) und übernehmen gemeinsam die Führungsverantwortung.
Übungsbeginn
Dynamik der Übung:
- Das Szenario entwickelt sich in Echtzeit. Neue Informationen werden im 15–20-Minuten-Takt eingespielt – per Video, Textnachricht, Audio oder optional durch Schauspieler:innen vor Ort.
- Die Gruppen arbeiten parallel, kommunizieren ggf. über Gruppenleitungen, und erhalten in ihrer Funktion regelmäßig neue Lageeinspielungen, auf die sie reagieren müssen.
- Echte Zeitknappheit, Emotionalisierung, Unschärfen und externe Störungen sind Teil der Übung.
Ziele der Übung:
- Handlungskompetenz unter Druck stärken
- Rollenverständnis und Kommunikationsverhalten im Stab trainieren
- Entscheidungsfähigkeit trotz Unvollständigkeit der Lageinformationen
- Reflektion des eigenen Stressverhaltens und der Teamdynamik
Auswertung BIG Crisis
Nach dem praktischen Teil erfolgt eine strukturierte Reflexion:
- Gemeinsame Nachbesprechung im Plenum
- Kleingruppen-Feedback: „Was hat in unserer Gruppe gut funktioniert?“
- Selbstreflexion: „Wie habe ich in meiner Rolle gehandelt?“
- Optional: Fragebogenbasiertes Prognose-Feedback zur Selbsteinschätzung
- Lessons Learned: Übertrag auf reale Krisensituationen und Arbeitskontexte
Aspekte (z.B.): Entscheidungswege, Kommunikation, Rollenverhalten, Umgang mit Ungewissheit, Effizienz von Prozessen etc.
